Die instrumentalisierte Jugend
Gorch-Hannis la Baume
Die geopolitische Lage verändert sich dramatisch. Bundestagsbeschlüsse nehmen direkten Einfluss auf die Entwicklung unserer Kinder und Enkel. Die heutige tolerante, liberale Gesellschaft ist der s. g. 68er Generation zu verdanken. Sie ist ein Ergebnis des Kampfes der damaligen Jugend gegen den Geist der Kriegsgeneration und gegen den damals vorherrschenden Konservatismus. Mit den aktuellen Beschlüssen sind wir den Dienstverpflichtungen ein Stück näher gekommen. Tatsächlich ist die Dienstpflicht für die Bundeswehr im ersten Anlauf noch nicht beschlossen worden. Sie wurde aber mit der verpflichtenden Musterung für junge Männer vorbereitet. Mit Besorgnis nehme ich nicht nur die Entwicklung der AfD wahr, sondern auch die Passivität unsere Jugend, die versunken in den sozialen Medien nicht erkennt, dass es gerade ihre Zukunft ist, mit der hier jongliert wird. Die Aufgabe der Regierungsverantwortlichen der letzten Jahren wäre gewesen, das Grundgesetz dem Zeitgeist anzupassen. Die Forderung der jungen Gesellschaft war, Rechte und Pflichten auf die gesamte Gesellschaft zu beziehen. Verantwortlichkeiten gleich zu verteilen. Nichts ist geschehen. Die Folgen der Versäumnisse sind nun, dass die auf uns Dienstpflichten zukommen, die ausschließlich männlich sind. Derzeit ist es nicht einmal möglich einen Zivildienst zu organisieren, der den Heimatschutz sowie soziale Aufgaben gesamtgesellschaftlich organisiert. Diskutiert werden diese Fragen öffentlich, aber leider ohne unsere Jugend. Für das Wohlergehen heutiger Rentner werden sie vor allem von der SPD in die Pflicht genommen. Nun sollen sie auch noch die Landesverteidigung sicher stellen.
Für mich stellt sich nun die Frage, wollen wir unsere Freiheit mit jungen Menschen verteidigen, über deren Selbstbestimmung extern per Beschluss verfügt wird? Nein, das ist nicht das Konzept der Liberalen. Die FDP setzt auf Konzepte der Freiwilligkeit. Wir brauchen eine auf Freiwilligkeit basierende Berufsarmee, in der Männer und Frauen ihren Dienst aus Überzeugung tun. Diese Soldaten werden dann hinreichend qualifiziert sein. Ein Soldat der lediglich 6 Monate die Uniform getragen und gerade gelernt hat, ein Gewehr zu zerlegen und wieder zusammen zu setzen, erfüllt diese Anforderungen nicht. Im Zweifel werden diese Reservisten die ersten Opfer einer kriegerischen Auseinandersetzung sein. Den Blutzoll, den viele Familien in vergangenen Kriegen zahlen mussten, will ich nicht wieder sehen.
Eine auf Dauer hoch qualifizierte Armee ist teuer. Sie kommt aber mit weniger Soldaten aus und ist deutlich handlungsfähiger als eine Wehrpflichtarmee. Mit mangelhaft ausgebildeten Schmalspursoldaten, die einen 6-monatigen Dienst abgeleistet haben, sind die Aufgaben, die eine effektive Verteidigung mit sich bringt nicht zu schaffen.
Mit einer FDP im Bundestag hätten die Bürgerrechtsfragen eine zentralere Bedeutung bekommen. Eine freiheitlich liberale Gesellschaft stellt sich mit der Dienstpflicht selbst in Frage. Es wäre ein Widerspruch in sich, wenn für die Verteidigung unserer Freiheitswerte, jungen Männern und Frauen die Entscheidungsfreiheit über sich selbst entzogen wird. Die Frage der erforderlichen Truppenstärke regelt sich über die Zeit von selbst, wenn die Gesellschaft bereit ist, ihre Soldaten angemessen zu honorieren und ihnen angemessene Angebote macht für die Zeit danach zu machen. Unsere Berufssoldaten sichern unsere freiheitliche liberale Lebensweise. Sie erledigen einen hoch anspruchsvollen ehrenhaften Job. Uns sollte das viel wert sein.
